THERAPEUTISCHE ABLÄUFE UND VERWENDETE MATERIALIEN

Für den therapeutischen Ablauf arbeite ich sehr stark mit den Basiswahrnehmungen: der vestibulären, propriozeptiven und taktilen Wahrnehmung. Weitere wichtige Bereiche sind die Praxie (Handlungsplanung), visuell-räumliche Wahrnehmung und Grapho- und Feinmotorik. Folgend finden Sie Informationen und Bilder zu den einzelnen Wahrnehmungen und Beispiele für Materialien, die zur Verbesserung des jeweiligen Bereichs verwendet werden.
VESTIBULÄRE WAHRNEHMUNG // PROPRIOZEPTION // TAKTILE WAHRNEHMUNG // VISUELL-RÄUMLICHE WAHRNEHMUNG // PRAXIE // GRAPHO- UND FEINMOTORIK

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1. Vestibuläre Wahrnehmung

Vestibuläre Wahrnehmung (c) C.Kastner

Was bedeutet "Vestibuläre Wahrnehmung": Vestibuläre Wahrnehmung ist unsere Gleichgewichtswahrnehmung (wichtig für das Gleichgewicht, Koordination, Muskelkraft,...)

Wie äußern sich Schwierigkeiten bei Kindern: Kinder die in diesem Bereich Schwierigkeiten haben, haben Gleichgewichtsprobleme, können Geschwindigkeiten nicht abschätzen, keine Balance halten, sind überempfindlich oder unterempfindlich gegenüber vestibulären Reizen.

Was kann helfen: Um die vestibuläre Wahrnehmung zu verbessern, kommen in der Ergotherapie unter anderem typische SI-Materialien, die Plattformschaukel, die Hängematte und die Pferdeschaukel zum Einsatz (siehe Foto links). Auch das Klettern an der Kletterwand ist sehr sinnvoll. Eine Verbindung zwischen vestibulärer und propriozeptiver Wahrnehmung bietet der Hindernisparcour. Fotos zum Ablauf und Erklärungen zum Parcour finden Sie hier.

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2.) Propriozeption

Propriozeption (c) C.Kastner

Was bedeutet "Propriozeption": Propriozeption ist der Muskel- und Gelenks-Sinn und wirkt wie eine "Innere Landkarte" unseres Körpers in unserem Gehirn. Sie ist wichtig um eine gute Körperwahrnehmung zu entwickeln.

Wie äußern sich Schwierigkeiten bei Kindern: Die Kinder können zeitliche und räumliche Bewegungen schwer abschätzen. Sie ergreifen Gegenstände entweder zu fest oder zu locker bzw. zu schnell oder zu langsam. Bewegungsabläufe sind schwierig und unkoordiniert. Bewegungen werden nicht automatisiert, sondern müssen jedes Mal visuell neu kontrolliert werden. (z.B. Halten eines Stiftes, Ergreifen einer gefüllten Tasse, etc.)

Was kann helfen: Die beste Möglichkeit Propriozeption zu fördern ist aktive Bewegung gegen Widerstand. In der Ergotherapie wird daher viel mit Materialien gearbeitet die Widerstand geben, z.B. Gewichtssackerln, schwere Decken,... In dem "gelben Sack" (siehe Foto rechts) wird der gesamte Körper vom Stoff umspannt und gibt starke Körperinformationen an das Kind weiter. Auf dem Foto rechts sehen Sie ein Kind, welches bauchlings in der Hängematte liegt. Diese Übung ist nicht nur für die Körperwahrnehmung gut, sondern auch für die Streckmuskulatur, welche unter anderem wichtig für den muskulären Haltungshintergrund eines Menschen ist (beim Sitzen in der Schule, beim Schreiben, etc. müssen die Kinder eine gute Grundmuskelspannung besitzen um aufrecht sitzen und sich in weiterer Folge gut konzentrieren zu können). Bei einer erweiterten Form dieser Übung versuchen die Kinder während sie in der Hängematte schwingen, Ringe zu werfen (siehe Foto rechts). Die bewegende Hängematte erfordert von den Kindern noch eine höhere Koordinationsleistung und eine bessere Abstimmung der Muskelkraft beim Werfen. Eine weitere sehr gute Möglichkeit die Propriozeption zu verbessern ist das Klettern an der Kletterwand.

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3. Taktile Wahrnehmung

Taktile Wahrnehmung (c) M.Kastner

Was bedeutet "Taktile Wahrnehmung": Die Taktile Wahrnehmung bedeutet einerseits das richtige Modulieren von Oberflächenreizen (Fingerfarbe, Sand, Badeschaum,...), anderseits ist die taktile Wahrnehmung ein Aspekt der haptischen Wahrnehmung - des Fühlens von Gestalt, Oberflächenbeschaffenheit, Gewicht, etc. - durch Berührung, Druck und Vibration auf das Sinnesorgan Haut.

Wie äußern sich Schwierigkeiten bei Kindern:Bei Schwierigkeiten mit der Modulation können Kinder unter- oder überempfindlich auf Berührung und Materialien reagieren. Zum Beispiel scheuen sie sich davor, schaumige, glitschige Materialen zu berühren oder greifen immer alles an, nehmen zuviel Fingerfarbe, etc. Bei Problemen in der Disskrimination hantieren sie ungeschickt mit Materialien und können Formen und Oberflächen nicht auseinanderhalten.

Schaum (c) D.Schiel Was kann helfen: Beliebte Materialien welche Kinder mit Überempfindlichkeit oder Unterempfindlichkeit helfen können sind: zeichnen mit Rasierschaum (siehe Foto links und rechts), hantieren in der Bohnenkiste oder im Bällebad (siehe Foto links), massieren, abpinseln, usw. Ziel ist es, den Kindern durch gezieltes Reizangebot zu einer normalen Modulation zu verhelfen. Zur Verbesserung der Disskrimination werden z.B. verschiedene Oberflächen-/Formen-Spiele (siehe Foto links) verwendet (z.B. in Form eines Oberflächen-Memory bei welchem die Kinder durch Berühren, ohne optische Kontrolle, immer zwei gleiche Oberflächen finden oder verschiedene Formen zuordnen müssen. (siehe Foto links)

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4. Visuell-räumliche Wahrnehmung

Visuell-räumliche Wahrnehmung (c) M.Kastner

Was bedeutet "Visuell-räumliche Wahrnehmung": Dazu gehört die Raumlage, räumliche Beziehungen, Figur-Grund Wahrnehmung, Augen-Hand Koordination und Formkonstanz. Eine gute visuell-räumliche Wahrnehmung ist wichtig um zu wissen, wo mein Körper im Bezug zur Umwelt steht. Was vorne, was hinten, rechts, links ist,..., dass richtige Einschätzen können von Distanzen oder gleiche Figuren, Formen zusammenzufinden und unterschiedliche zu unterscheiden.

Wie äußern sich Schwierigkeiten bei Kindern: Kinder die in diesem Bereich Schwierigkeiten haben, können sich z.B. nicht gut orientieren, können Entfernungen nicht gut abschätzen, haben oft in Mathematik Probleme,...

Was kann helfen: Materialien welche helfen die visuell-räumliche Wahrnehmung zu verbessern, sind je nach Alter unterschiedlich und reichen von einer Formenbox (siehe Foto rechts) über Raum-Lage Spiele bis zu komplexen 3- und 2-dimensionalen Aufgaben.

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5.) Praxie (Handlungsplanung)

Praxie (c) M.Kastner

Was bedeutet "Handlungsplanung": Viele Tätigkeiten des täglichen Lebens erfordern, dass man eine Idee hat, einen Plan entwickelt und diesen auch erfolgreich ausführen kann (z.B. Tagesablauf, Organisation, neue Aktivitäten usw.). Im Normalfall entwickeln Menschen die Fähigkeit zur Handlungsplanung im Laufe ihrer Kindheit.

Wie äußern sich Schwierigkeiten bei Kindern: Bei Kinder die Schwierigkeiten mit der ideellen Handlungsplanung haben, kann sich dies bei verschiedensten Aktivitäten zeigen: sie haben z.B. Schwierigkeiten bei organisatorischen Dingen, bei ihrer Tagesablaufgestaltung, sie haben Probleme sich selbst anzuziehen, wissen nicht welche Hausaufgaben sie bekommen haben,... und haben Probleme neue Tätigkeiten (die noch nicht durch Wiederholung automatisiert wurden) richtig auszuführen.

Was kann helfen: Mit praktisch konstruktiven Materialien gelingt es die Handlungsplanung zu fördern. Mittels Materialien wie z.B der Kugelbahn oder Baufix (siehe Foto links) lernen Kinder mit Unterstützung der Therapeutin Ideen und Pläne zu entwickeln und diese auszuführen. Wichtig ist es dann, diese Erfolgserfahrungen in den Alltag zu integrieren. Wenn Kinder Schwierigkeiten mit der motorischen Handlungsplanung haben, werden motorische Aktivitäten angeboten, die ebenfalls eine Idee, einen Plan und die Ausführung erfordern (z.B. koordinative Aufgaben auf der Kletterwand, Gleichgewichtspakurs,..)

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6. Grapho- und Feinmotorik

Grapho- und Feinmotorik (c) M.Kastner

Was bedeutet "Grapho- und Feinmotorik": Eine gute Feinmotorik ist wichtig für alle kleinen, handwerklichen Arbeiten, z.B. Basteln, zusammen bauen, für die Geschicklichkeit im Alltag und ist eine Vorraussetzung für eine gute Graphomotorik (= Zeichnen, Malen, Schreiben).

Wie äußern sich Schwierigkeiten bei Kindern: Kinder mit Schwierigkeiten sind ungeschickt bei handwerklichen Tätigkeiten, haben oft Probleme mit der Stifthaltung und dem Schreiben.

Kind beim Malen (c) D.Schiel Was kann helfen: Für die Verbesserung der Feinmotorik werden verschiedenste Materialen eingesetzt: z.B. mit Steckperlen Figuren erstellen oder Ketten basteln (siehe Foto rechts), aber auch handwerkliche Aktivitäten wie Töpfern, Speckstein bearbeiten,... sind oft im Einsatz. Ein anspruchsvolles Material für die Bilateral-Integration (d.h. das gute Zusammenspiel von rechter und linker Hand) für größere Kinder ist das Spiel Gletscherwanderung (siehe Foto rechts). Für Kinder die Probleme haben mit der Koordination beider Hände ist das ein anspruchsvolles Spiel, welches genau diese Zusammenarbeit zwischen beiden Händen fördert. Kleine Kinder können dies trainieren indem sie beim Kugelspiel versuchen die Kugeln vom Anfang bis zum Ende zu führen. Um die Graphomotorik zu verbessern wird das Malen, Zeichnen und Schreiben mit den verschiedensten Stiften, auf unterschiedlichen Unterlagen und auf spielerische Weise trainiert und in die laufende Therapie eingebaut (siehe Foto links). Wichtig dabei ist, Rücksicht auf eventuell schon schlechte Erfahrungen der Kinder zu nehmen und zu versuchen, ihnen wieder Spaß an Graphomotorik zu vermitteln.

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